Das Prüfverfahren zur BITV 1.0


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Prüfschritt 1.3.1
Audiodeskription für Videos

Diese Version des Prüfschritts ist nicht mehr gültig!

Technische Angaben

Version bis 16.10.2009 | bis 22.9.2011
BITV-Bedingung 1.3
Bewertungsalternativen ja / eher erfüllt / eher nicht erfüllt / nein / nicht anwendbar
Gewichtung hohes Gewicht (3 Punkte)
Abwertung auf "schlecht zugänglich"
Bezieht sich auf einzelne Webseite
Prüfschritt erfüllt Videos sind mit Audiodeskription versehen.
Prüfschritt nicht anwendbar Videos sind nicht vorhanden oder auch ohne synchrone Audiodeskription zugänglich.

Was wird geprüft?

Für visuelle Videoinhalte muss eine Audiodeskription als Alternative bereitgestellt werden.

Warum wird das geprüft?

Die Handlung von Videos kann oft auch ohne Bild recht gut verfolgt werden. Den Sprecher einer Nachrichtensendung muss man zum Beispiel nicht sehen, um zu verstehen, worum es geht. Dagegen enthalten Spielfilme meist Passagen, in denen wenig gesprochen wird und die Handlung über das Bild vermittelt wird. Damit ein blinder Zuschauer den Film verfolgen kann, müssen ihm solche Passagen beschrieben werden. Hierfür wird das Verfahren der Audiodeskription eingesetzt. Auf einer separaten Tonspur erläutert ein Sprecher die sichtbare Handlung.

Wie wird geprüft?

1. Anwendbarkeit des Prüfschritts

  • Der Prüfschritt ist anwendbar, wenn Videos mit synchroner Bild- und Tonspur vorhanden sind und Informationen über das Bildgeschehen für das Verständnis erforderlich sind.
  • Videos brauchen keine Audiodeskription, wenn der Fortgang des Bildgeschehens nicht in Worte gefasst werden kann. Der Prüfschritt ist dann nicht anwendbar.
  • Verzichtbar ist die Audiodeskription auch, wenn die synchrone Wahrnehmung von Bild und Ton für das Verständnis des Videos nicht erforderlich ist oder wenn das Video keine Tonspur hat. Eine separate Beschreibung des Bildgeschehens im Alternativtext in Textform ist dann hinreichend.
  • Verzichtbar ist die Audiodeskription auch für Videos, die lediglich als Videoalternative zu einem textbasierten Inhalt dienen, das heißt ergänzend zu einem Text angeboten werden, um den Textinhalt zusätzlich in anderer Form zu vermitteln. Dies gilt nur für Videos, die keine über den Textinhalt hinausgehende Informationen bieten und die klar als Videoalternative zum Text erkennbar sind.
  • Gebärdensprachvideos brauchen keine Audiodeskription.

2. Audiodeskription prüfen

Es wird eine Sicht- und Hörprüfung vorgenommen.

  1. Das Video wird im vom Format abhängigen Video-Player abgespielt
  2. Es wird geprüft, ob eine Audiodeskription vorhanden ist. Hierfür muss die Funktion für Audiodeskription aktiv sein. (Zusatzspuren für Audiodeskription einschalten)
  3. Wenn eine Audiodeskription vorhanden ist, wird eine kurze Sequenz der Deskription angehört, um stichprobenartig festzustellen, ob sie nutzbar ist

3. Hinweise

Quicktime unterstützt das Einschalten von zusätzlichen Tonspuren nur in der kostenpflichtigen Pro-Version.

Windows Media unterstützt keine einschaltbaren Audiodeskriptionen

Real: SMIL siehe Prüfschritt 1.4.1 (Zusatzspur wird automatisch aktiviert wenn dies in den Voreinstellungen des Players aktiviert wurde)

4. Bewertung

Abwertung des Gesamtergebnisses

  • Die Abwertung ist erforderlich, wenn das Video für die Nutzung des Webauftritts von zentraler Bedeutung ist: der Webauftritt kann wegen Unzugänglichkeit des Videos von blinden oder sehbehinderten Menschen nicht genutzt werden.

Einordnung des Prüfschritts

Formulierung BITV:

Für Multimedia-Präsentationen ist eine Audio-Beschreibung der wichtigen Informationen der Videospur bereitzustellen.

http://www.bik-online.info/info/gesetze/bitv/anlage_1.php#1-3

Deutsche Übersetzung der WCAG:

Stellen Sie eine Audio-Beschreibung der wichtigen Information der Videospur einer Multimedia-Präsentation bereit, bis Benutzeragenten das Text-Äquivalent einer Videospur vorlesen können.

(...) Synchronisieren Sie die Audio-Beschreibung mit der Tonspur gemäß Checkpunkt 1.4

http://www.w3c.de/Trans/WAI/webinhalt.html#tech-auditory-descriptions

Abgrenzung der Prüfschritte 1.3.1 und 1.4.1

Nach den WCAG geht es in Checkpunkt 1.3 um die Bereitstellung von Audiodeskriptionen. Diese Audiodeskriptionen müssen gegebenenfalls synchronisiert werden, "gemäss Checkpunkt 1.4". In Checkpunkt 1.4 geht es dann um die Bereitstellung von synchronen Untertiteln und Audio-Beschreibungen.

Checkpunkt 1.3 scheint nach dieser Abgrenzung überflüssig, von Fall zu Fall durch 1.1 oder durch 1.4 abgedeckt. Zur Vermeidung von Redundanz wird daher im BITV-Test wie folgt abgegrenzt:

In Prüfschritt 1.3.1 geht es ausschließlich um die Zugänglichkeit des Inhalts der Videospur für blinde und sehbehinderte Benutzer. Das Mittel dafür sind synchrone Audio-Beschreibungen der Videospur.

(In der deutschen Übersetzung der WCAG steht: Synchronisieren Sie die Audio-Beschreibung mit der Tonspur". Gemeint ist, dass die zusätzliche Audio-Beschreibung abgestimmt werden muss mit der ursprünglichen Tonspur des Videos. Diese beiden Tonspuren dürfen sich nicht überschneiden, sie müssen in diesem Sinne zeitlich aufeinander abgestimmt oder synchronisiert werden.)

In Prüfschritt 1.4.1 geht es ausschließlich um die Zugänglichkeit des Inhalts der Tonspur für gehörlose und hörbehinderte Benutzer. Das Mittel dafür sind synchrone Untertitel.

(Dieser Text ist auch Prüfschritt 1.4.1 zugeordnet.)

Abgrenzung zu anderen Prüfschritten

  • Alle Arten von Multimedia-Präsentationen, einschließlich Flash-Anwendungen sind diesem Prüfschritt zuzuordnen. Wenn die Multimedia-Präsentationen eine eigene Schnittstelle haben, ist zusätzlich der Prüfschritt 8.1.1 anzuwenden.
  • Zugänglichkeit der Video-Player: siehe Prüfschritt 8.1.1
  • Alternativtext für Videos: siehe Prüfschritt 1.1.2

Einordnung des Prüfschritts nach WCAG 2.0

WCAG 2.0

Guideline

Success criteria

Techniques

General Techniques
HTML Techniques
SMIL Techniques

Quellen

Bedeutung

Auditory descriptions of the visual track provide narration of the key visual elements without interfering with the audio or dialogue of a movie. Key visual elements include actions, settings, body language, graphics, and displayed text. Auditory descriptions are used primarily by people who are blind to follow the action and other non-auditory information in video material. (...)

If there is no important visual information, for example, an animated talking head that describes (through prerecorded speech) how to use the site, then an auditory description is not necessary.

Quelle: http://www.w3.org/TR/WCAG10-CORE-TECHS

SMIL

Synchronized Multimedia Integration Language (SMIL 2.0)
W3C Recommendation 13 December 2005

Weitere Quellen

Techniken für die Audiodeskription:
Standard techniques in audio description (Joe Clark)

Zugängliche Einbindung von Video-Inhalten mit dem JW FLV Player:
Making Video Accessible

Eignung von Videoplayern:
http://www.ddj.com/dept/architect/184411671

Fragen zu diesem Prüfschritt

Kann der Prüfschritt auch durch zusammenfassende Alternativtexte erfüllt werden? Unter welchen Bedingungen sind solche Texte ausreichend?

Zusammenfassende Alternativtexte sind ausreichend, wenn die synchrone Bereitstellung des Inhalts der Bildspur für das Verständnis des Videos nicht erforderlich ist.

Mit Audiodeskription kann man das Bild und die Tonspur des Videos zeitlich aufeinander abstimmen. Wenn eine solche zeitliche Abstimmung für das Verständnis des Videos nicht nötig ist, reicht ein zusammenfassender Alternativtext aus.

Ein Beispiel dafür, dass die zeitliche Abstimmung für das Verständnis nicht nötig ist:

Im Video sieht man einen Redner. Etwas anderes sieht man nicht, immer nur den Redner. In diesem Fall ist es für einen Besucher, der sehen kann, angenehm, wenn die Tonspur mit dem Bild synchron ist. Denn dann passen eben die Mundbewegungen zu dem, was der Redner gerade sagt. Aber das ist für einen Besucher, der nicht sehen kann, egal. Es gibt keine Bild-Handlung, die einen inhaltlichen Bezug zu dem hat, was der Redner sagt.

Es gibt natürlich Grenzfälle, die nicht so klar sind. Zum Beispiel kann der Redner seine Aussagen durch Gesten unterstützen. Die Bedeutung dieser Gesten wäre dann unverständlich, wenn der zeitliche Zusammenhang zum Ton nicht mehr da ist.

Wie kann man praktisch entscheiden, ob Bild und Ton synchron bereitgestellt werden werden müssen? Man schaut sich erst das Video ohne Ton an und hört danach den Ton ohne Bild. Hat man alles verstanden? Dann ist die zeitliche Abstimmung nicht nötig.

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