Das Prüfverfahren zur BITV 1.0


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Prüfschritt 11.3.1
Seiten für alle (keine Textversion)

Diese Version des Prüfschritts ist nicht mehr gültig!

Technische Angaben

Version bis 16.10.2009 | bis 22.9.2011
BITV-Bedingung 11.3
Bewertungsalternativen ja / eher erfüllt / eher nicht erfüllt / nein
Gewichtung hohes Gewicht (3 Punkte)
Abwertung keine Abwertung möglich
Bezieht sich auf gesamten Webauftritt
Prüfschritt erfüllt Es gibt keine spezielle Version für behinderte Besucher.

Was wird geprüft?

Internetangebote sollen für alle zugänglich gestaltet sein. Spezielle Versionen für behinderte Besucher, zum Beispiel sogenannte Textversionen sind nicht erforderlich und nicht erwünscht.

Warum wird das geprüft?

Eine alternative Version für behinderte Besucher ist eine "Sonderlösung", die nicht der Definition von Gleichstellung im Sinne des Gleichstellungsgesetzes entspricht.

Verbreitet sind sogenannte Textversionen für Blinde. Für Senioren, die große Schrift brauchen und mit der Maus nicht mehr klar kommen ist sie zum Beispiel keine Lösung.

Wie wird geprüft?

1. Anwendbarkeit des Prüfschritts

Der Prüfschritt ist immer anwendbar.

2. übergreifende Version für Behinderte

  • Wird eine seitenübergreifende, parallele Version für Behinderte angeboten?
  • Wenn ja: ist diese Version zwingend erforderlich?
  • wenn sie nicht zwingend erforderlich ist, erfüllt der Webauftritt diesen Prüfschritt nicht

Anmerkung:
Bei Seiten, die auf Informationsvermittlung zielen, sind übergreifende Textversionen nicht erforderlich. Bislang ist jedenfalls kein Fall bekannt, in dem eine seitenübergreifende, parallele Textversion zwingend erforderlich wäre.

Einordnung des Prüfschritts

Formulierung BITV:

Soweit auch nach bestem Bemühen die Erstellung eines barrierefreien Internetangebots nicht möglich ist, ist ein alternatives, barrierefreies Angebot zur Verfügung zu stellen, dass äquivalente Funktionalitäten und Informationen gleicher Aktualität enthält, soweit es die technischen Möglichkeiten zulassen. Bei Verwendung nicht barrierefreier Technologien sind diese zu ersetzen, sobald aufgrund der technologischen Entwicklung äquivalente, zugängliche Lösungen verfügbar und einsetzbar sind.

http://www.bik-online.info/info/gesetze/bitv/anlage_1.php#11-3

Die Nummerierung der BITV weicht bei diesem Checkpunkt ab von der Nummerierung der WCAG.
Die BITV-Bedingung zu Textversionen: 11.3
Der WCAG-Checkpunkt zu Textversionen: 11.4.

Deutsche Übersetzung der WCAG:

Wenn Sie auch nach besten Bemühungen keine zugängliche Seite erstellen können, stellen Sie einen Link auf eine alternative Seite bereit, die W3C-Technologien verwendet, zugänglich ist, äquivalente Information (oder Funktionalität) enthält und ebenso oft aktualisiert wird wie die nicht zugängliche (originale) Seite.

http://www.w3c.de/Trans/WAI/webinhalt.html#tech-alt-pages

Verweise

In diesem Prüfschritt geht es um seitenübergreifende alternative Textversionen. Solche übergreifende Textversionen sind in der Regel nicht erforderlich. Dagegen können alternative Versionen für bestimmte Elemente erforderlich und sinnvoll sein.

  • HTML-basierte Alternativen für programmierte Objekte: siehe Prüfschritt 8.1.1

Quellen

Accessibility of text-only websites: http://www.isolani.co.uk/articles/accessibilityOfTextOnlyWebsites.html

Kommentar der BITV:

Grundsätzlich zielt die Verordnung darauf, Sonderlösungen für behinderte Menschen oder für einzelne Gruppen behinderter Menschen zu vermeiden. Die Erstellung eines Internetangebots, das für alle Benutzergruppen gleichermaßen uneingeschränkt nutzbar ist, hat Vorrang insbesondere vor einer "Nur-Text-Lösung" als Alternative zum eigentlichen Internetangebot, da eine solche Darstellung in erster Linie nur für bestimmte Benutzergruppen von behinderten Menschen, etwa für Benutzer von Braille-Zeilen oder Screen-Readern, Barrierefreiheit erreicht. Das Erstellen einer alternativen "Nur-Text-Lösung" ist nach der Bedingung Nr. 11.3 der Priorität I nur vorgesehen, soweit nach bestem Bemühen das eigentliche Internetangebot nicht barrierefrei gestaltet werden kann.

Dennoch ist nicht auszuschließen, dass für Technologien, deren Einsatz unverzichtbar ist, noch keine barrierefreien Lösungen vorliegen, sondern erst noch entwickelt werden müssen. Für diese Ausnahmefälle wird die Möglichkeit eröffnet, bis zum Vorliegen barrierefreier Lösungen zeitweise, im Rahmen der technischen Gegebenheiten, ein alternatives Angebot, das äquivalente Funktionalitäten und Informationen gleicher Aktualität enthält, anzubieten. Hierbei ist jedoch regelmäßig aktiv zu prüfen, ob aufgrund der technologischen Entwicklung barrierefreie Lösungen verfügbar und einsetzbar sind. Soweit die Prüfung das Vorliegen äquivalenter, barrierefreier Lösungen ergibt, sind die eingesetzten nicht barrierefreien Technologien umgehend zu ersetzen.

http://www.bmas.bund.de/BMAS/Navigation/Teilhabe-behinderter-Menschen/gesetze,did=103128.html

Anmerkung in den WCAG:

Entwickler von Inhalten sollten nur dann auf alternative Seiten zurückgreifen, wenn alle anderen Lösungen fehlschlagen, weil alternative Seiten im Allgemeinen seltener aktualisiert werden als "primäre" Seiten. Eine veraltete Seite kann genauso frustrierend sein wie eine, die nicht zugänglich ist, weil die Information auf der ursprünglichen Seite in beiden Fällen nicht zugänglich ist. Automatisch generierte alternative Seiten mögen zu einer häufigeren Aktualisierung führen, aber Entwickler von Inhalten müssen weiterhin darauf achten, dass die generierten Seiten jederzeit einen Sinn ergeben und dass Benutzer in der Lage sind, in einer Site zu navigieren, indem sie Links auf den primären Seiten, den alternativen Seiten oder beiden folgen. Bevor Sie auf alternative Seiten zurückgreifen, überdenken Sie das Design der Originalseite; sie zugänglich zu machen verbessert sie wahrscheinlich für alle Benutzer.

http://www.w3.org/Consortium/Offices/Germany/Trans/WAI/webinhalt.html

Fragen zu diesem Prüfschritt

Was sind das denn für Fälle, in denen eine Textversion zwingend erforderlich ist?

Webauftritte, die komplett mit Flash realisiert worden sind, können sicher nur durch eine alternative Textversion hinreichend zugänglich gemacht werden. Andererseits stellt sich dann die Frage, weshalb nicht gleich besser geeignete Entwicklungsinstrumente eingesetzt worden sind. Bei Webauftritten, die auf Informationsvermittlung abzielen, wird es vermutlich keinen akzeptablen Grund geben für den durchgängigen Einsatz von Entwicklungswerkzeugen, die alternative Textversionen erforderlich machen.

Bei CMS-basierten Textversionen kann sichergestellt werden, dass der Inhalt identisch ist mit der Version für grafische Browser. Sind solche Textversionen trotzdem unzulässig?

Gestaltungsalternativen für unterschiedliche Benutzergruppen sind nützlich. Häufig werden zum Beispiel auch Versionen mit unterschiedlichen Schriftgrößen oder Farben angeboten. Der Benutzer kann die Versionen ausprobieren und die Version verwenden, die für seine Anforderungen am besten geeignet ist.

Aber was soll man sich denn unter einer Gestaltungsalternative für blinde Benutzer vorstellen? Das visuelle Erscheinungsbild ist für sie nicht relevant, entscheidend ist, dass der eigentliche Inhalt, also das, was sich in den verschiedenen CMS-basierten Versionen gerade nicht unterscheiden soll, vernünftig strukturiert und für die nichtvisuelle Nutzung aufbereitet ist.

Was soll also die Leistung einer CMS-basierten Textversion für Blinde sein? Entweder die Inhalte des Webauftritts sind so aufbereitet, dass sie auch ohne visuelle Wahrnehmung genutzt werden können. Dann ist die spezielle Textversion schlicht überflüssig. Oder die entsprechende Aufbereitung der Inhalte fehlt. Dann ist die spezielle Textversion nicht gleichwertig.

Wie unterscheide ich die schlechte Textversion von der nützlichen Gestaltungsalternative?

  • Gestaltungsalternativen gehen davon aus, dass Benutzer viele unterschiedliche Anforderungen an die Zugänglichkeit stellen. Sie ergänzen sich bei der Erfüllung dieser Anforderungen. Jede einzelne Alternative soll auf ihre Art für möglichst viele potentielle Benutzer zugänglich sein.
  • Gestaltungsalternativen treten nicht unbedingt paarweise auf. Wenn es schon möglich ist, den Inhalt in unterschiedlichen Formen zu präsentieren, dann kann man doch gleich drei oder vier solche Versionen anbieten.
  • Die wichtigste Gestaltungsalternative erscheint, bevor der Benutzer irgendeine Wahl getroffen hat. Der Benutzer bleibt in dieser Version, weil er befürchtet, dass andere Versionen doch nicht ganz gleichwertig sind. Oder er glaubt nicht, dass spezielle Aufbereitung für ihn erforderlich ist. Oder er versteht nicht, dass er da zwischen verschiedenen alternativen Darstellungen derselben Sache wählen soll. Jeder Benutzer sollte also so gut wie möglich mit der ersten Version zurechtkommen.
  • Gestaltungsalternativen verwenden die Bezeichnung Textversion nicht. Denn sie wissen, dass diese Bezeichnung für ein falsches und nicht akzeptiertes Konzept steht.

Auf einer Vorschaltseite werden mehrere Versionen des Webauftritts angeboten. Eine der Versionen ist für blinde Besucher besser geeignet. Ist das eine Textversion?

Die klassische Textversion hat zwei Merkmale:

  • Sie ist eine Spezialversion, die zusätzlich zur Hauptversion für "Normale" angeboten wird.
  • Sie wird als Version für Behinderte angeboten.

In dem beschriebenen Fall ist das erste Merkmal vermutlich nicht erfüllt. Denn die beiden angebotenen Versionen sind gleichwertig, sie stehen nebeneinander. Ob das zweite Merkmal erfüllt ist, hängt davon ab, wie die beiden Versionen beschrieben werden. Es ist zum Beispiel nicht erfüllt, wenn die beiden Versionen "Flashversion" und "Text-Version" heißen.

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