Sie sind hier: BITV-Test > Verzeichnis der Prüfschritte > Prüfschritt 1.4.1 (6 von 52)


Blättern: zum ersten Prüfschritt zum vorhergehenden Prüfschritt zum nächsten Prüfschritt zum letzten Prüfschritt

Prüfschritt 1.4.1
Videos mit Untertiteln

Technische Angaben

Version bis 16.10.2009 | Aktuell
BITV-Bedingung 1.4
Bewertungsalternativen ja / eher erfüllt / eher nicht erfüllt / nein / nicht anwendbar
Gewichtung hohes Gewicht (3 Punkte)
Abwertung auf "schlecht zugänglich"
Bezieht sich auf einzelne Webseite
Prüfschritt erfüllt Videos haben synchrone Untertitel.
Prüfschritt nicht anwendbar Videos sind nicht vorhanden oder auch ohne synchrone Untertitel zugänglich.

Was wird geprüft?

Für akustische Videoinhalte müssen als Hör-Alternative Untertitel bereitgestellt werden.

Warum wird das geprüft?

Filme sind in der Regel ohne den Ton nicht zu verstehen. Daher muss für Menschen mit Hörbehinderung der Inhalt der Tonspur durch Untertitel bereitgestellt werden.

Untertitel können auch für andere Nutzer hilfreich sein, zum Beispiel für Personen, die mit der Sprache des Films nicht vertraut sind.

Wie wird geprüft?

1. Anwendbarkeit des Prüfschritts

  • Der Prüfschritt ist anwendbar, wenn Videos mit synchroner Bild- und Tonspur vorhanden sind.
  • Videos ohne Tonspur brauchen keine Untertitel, der Prüfschritt ist für sie nicht anwendbar.
  • Verzichtbar sind Untertitel auch für Videos, die lediglich als Videoalternative zu einem textbasierten Inhalt dienen, das heißt ergänzend zu einem Text angeboten werden, um den Textinhalt zusätzlich in anderer Form zu vermitteln. Dies gilt nur für Videos, die keine über den Textinhalt hinausgehende Informationen bieten und die klar als Videoalternative zum Text erkennbar sind.

2. Sichtprüfung

  1. Das Video wird im vom Format abhängigen Video-Player abgespielt
  2. Es wird geprüft, ob parallel zum Video Untertitel automatisch angezeigt werden oder zuschaltbar sind. Hierzu muss die Funktion "Untertitel ein" aktiviert sein.
  3. Wenn Untertitel vorhanden sind, wird eine kurze Sequenz des Videos mit Untertiteln angesehen, um stichprobenartig festzustellen, ob die Untertitel dem hörbaren Inhalt entsprechen

Einordnung des Prüfschritts

Formulierung BITV:

Synchronisieren Sie für jede zeitgesteuerte Multimedia-Präsentation (zum Beispiel Film oder Animation) äquivalente Alternativen (zum Beispiel Untertitel oder Audio-Beschreibungen der Videospur) mit der Präsentation.

http://www.bik-online.info/info/gesetze/bitv/anlage_1.php#1-4

Deutsche Übersetzung der WCAG:

Für jede zeitgesteuerte Multimedia-Präsentation (insbesondere Film oder Animation) sind äquivalente Alternativen (zum Beispiel Untertitel oder Audiobeschreibungen der Videospur) mit der Präsentation zu synchronisieren.

http://www.w3c.de/Trans/WAI/webinhalt.html#tech-synchronize-equivalents

Abgrenzung der Prüfschritte 1.3.1 und 1.4.1

Nach den WCAG geht es in Checkpunkt 1.3 um die Bereitstellung von Audiodeskriptionen. Diese Audiodeskriptionen müssen gegebenenfalls synchronisiert werden, "gemäss Checkpunkt 1.4". In Checkpunkt 1.4 geht es dann um die Bereitstellung von synchronen Untertiteln und Audio-Beschreibungen.

Checkpunkt 1.3 scheint nach dieser Abgrenzung überflüssig, von Fall zu Fall durch 1.1 oder durch 1.4 abgedeckt. Zur Vermeidung von Redundanz wird daher im BITV-Test wie folgt abgegrenzt:

In Prüfschritt 1.3.1 geht es ausschließlich um die Zugänglichkeit des Inhalts der Videospur für blinde und sehbehinderte Benutzer. Das Mittel dafür sind synchrone Audio-Beschreibungen der Videospur.

(In der deutschen Übersetzung der WCAG steht: Synchronisieren Sie die Audio-Beschreibung mit der Tonspur". Gemeint ist, dass die zusätzliche Audio-Beschreibung abgestimmt werden muss mit der ursprünglichen Tonspur des Videos. Diese beiden Tonspuren dürfen sich nicht überschneiden, sie müssen in diesem Sinne zeitlich aufeinander abgestimmt oder synchronisiert werden.)

In Prüfschritte 1.4.1 geht es ausschließlich um die Zugänglichkeit des Inhalts der Tonspur für gehörlose und hörbehinderte Benutzer. Das Mittel dafür sind synchrone Untertitel.

(Dieser Text ist auch Prüfschritt 1.3.1 zugeordnet.)

Abgrenzung zu bewegten Bildern

Bei diesem Prüfschritt geht es um die synchrone Vermittlung von visuellen und akustischen Informationen. Der Prüfschritt ist relevant, wenn für das Verständnis eines Elements die parallele Wahrnehmung von Bild und Ton erforderlich ist. Ein einfacher Alternativtext oder eine zusammenfassende Beschreibung ist dann nicht (mehr) ausreichend.

Abgrenzung zu programmierten Objekten

Die eigentlichen Videos sind diesem Prüfschritt zugeordnet. Dabei spielt keine Rolle, ob sie integrierter Bestandteil der Webseite sind oder in einem eigenständigen Fenster abgespielt werden.

Alle Arten von Multimedia-Präsentationen, einschließlich Flash-Anwendungen sind diesem Prüfschritt zuzuordnen. Wenn die Multimedia-Präsentationen eine eigene Schnittstelle haben, ist zusätzlich der Prüfschritt 8.1.1 (direkte Zugänglichkeit programmierter Elemente) anzuwenden.

Für das Abspielen von Videos werden Video-Player benötigt. Auch diese Video-Player müssen zugänglich sein. Im BITV-Test wird die Zugänglichkeit des einzusetzenden Videoplayers jedoch nicht berücksichtigt.

Abgrenzung zu anderen Prüfschritten

  • Alternativtext für Videos: siehe Prüfschritt 1.1.4

Einordnung des Prüfschritts nach WCAG 2.0

WCAG 2.0

Guideline

Success criteria

Techniques

General Techniques

SMIL Techniques

Failures

Quellen

Auditory presentations must be accompanied by text transcripts, textual equivalents of auditory events. When these transcripts are presented synchronously with a video presentation they are called captions and are used by people who cannot hear the audio track of the video material. (...)

Until the format you are using supports alternative tracks, two versions of the movie could be made available, one with captions and descriptive video, and one without.

Quelle: http://www.w3.org/TR/WCAG10-CORE-TECHS

Rationale: Users who are deaf, or hard of hearing, or any user who cannot or has chosen not to hear sound cannot perceive the information presented through speech, sound effects, music, etc.

Quelle: http://bobby.watchfire.com/bobby/html/en/gls/g6.html

SMIL

Synchronized Multimedia Integration Language (SMIL 2.0)
W3C Recommendation 13 December 2005

Weitere Quellen Unterstützung von Captions und Audio Descriptions

QuickTime is a media format and player, and an authoring tool. QuickTime supports captions and audio descriptions, but does not work with assistive technologies to provide access to content.

Quelle: http://ncam.wgbh.org/richmedia/mediatypes/QT.php

Real Media is an audio and video file format that plays in the Real Player. Real Media can be delivered with captions and audio descriptions by using SMIL.

Quelle: http://ncam.wgbh.org/richmedia/mediatypes/RM.php

Windows Media is Microsoft's media format and player. Windows Media supports closed captions [closed bedeutet hier zuschaltbare Spuren] but can not offer closed audio descriptions.

Quelle: http://ncam.wgbh.org/richmedia/mediatypes/WM.php

Aktuelle Flash-Versionen unterstützen Captioning nicht. Für die Bewertung ist dies jedoch nicht relevant, Videos mit nicht zuschaltbaren Untertiteln können im Prinzip für jedes Format erstellt werden.

Bedienung der Player

Quicktime:
(...) If the project calls for closed captions, the provider must include an additional interface element that lets users turn them on and off.

Real:
RealPlayer uses SMIL to include captions with a presentation. SMIL provides information about layout, timing, and display of different media types for the Real player to interpret. In addition, SMIL provides test attributes that help determine the viewer's player preferences for text display and language choice.

Windows Media:
(...) When delivering captioned Windows Media, the author specifies that a SAMI file should accompany the main media, and the text will be displayed in the caption area of the player window.

Quelle: http://www.newarchitectmag.com/documents/s=7457/na0802d/index.html

Zum Stellenwert von Untertiteln und Gebärdensprache:

Sign languages for the Deaf (I know of three used in english-speaking countries besides "signed english") normally have their own grammar and syntax, their own ways of adding emphasis or modifying the "tone" of a statement. They are generally recognised as being languages in their own right, and not just a pictorial representation of words in a spoken language. Which brings up all the problems associated with translation - it is not easy, and automatic translators are still quite primitive.

This explains why sign language users (not all people who are deaf are sign users) generally prefer sign language interpretation to captioning - with captions they have to read what amounts to a foreign language, and reading text is not a skill that is easy to acquire without hearing (since it is based on an abstract representation of the sound of a language, whereas sign languages tend to be based on an abstract representation of visual experience of the world, and since sign languages generally don't have a written form).

So being able to communicate in their own language, and not required to use a foreign language for chat systems etc is important.

Note that typically this applies to the minority who lose their hearing before they learn to speak a language - people who are hearing impaired or lose their hearing later in life, tend to be more (or often only) proficient in a spoken/written language, so captions are indeed necessary.

Quelle: http://lists.w3.org/Archives/Public/w3c-wai-ig/2003JulSep/0222.html

Fragen zu diesem Prüfschritt

Die Erstellung von Untertiteln ist aufwendig. Kann der Prüfschritt auch durch zusammenfassende Alternativtexte erfüllt werden? Unter welchen Bedingungen sind solche Texte ausreichend?

Mit Untertiteln kann man das Bild und die Tonspur des Videos zeitlich aufeinander abstimmen. Wenn eine solche zeitliche Abstimmung für das Verständnis des Videos nicht nötig ist, reichen zusammenfassende Alternativtexte aus.

Ein Beispiel dafür, dass die zeitliche Abstimmung für das Verständnis nicht nötig ist:

Im Video sieht man einen Redner. Etwas anderes sieht man nicht, immer nur den Redner. In diesem Fall ist es für einen Besucher, der hören kann, angenehm, wenn die Tonspur mit dem Bild synchron ist. Denn dann passen eben die Mundbewegungen zu dem was der Redner gerade sagt. Aber das ist für einen Besucher, der nicht hören kann, egal. Für ihn ist das Bild des Redners im Grunde immer das gleiche, es bewegt sich etwas, aber es gibt keine Bild-Handlung, die einen inhaltlichen Bezug zu dem hat, was der Redner sagt.

Es gibt natürlich Grenzfälle, die nicht so klar sind. Zum Beispiel kann der Redner seine Aussagen durch Gesten unterstützen. Die Bedeutung dieser Gesten wäre dann unverständlich, wenn der zeitliche Zusammenhang zum Ton nicht mehr da ist.

Wie kann man praktisch entscheiden, ob Bild und Ton synchron bereitgestellt werden werden müssen? Man schaut sich erst das Video ohne Ton an und hört danach den Ton ohne Bild. Hat man alles verstanden? Dann ist die zeitliche Abstimmung nicht nötig.

Können an Stelle der Untertitel auch Filme mit gebärdensprachlicher Darstellung eingeblendet werden?

Solche Filme sind hilfreich für Personen, die über die Gebärdensprache kommunizieren. Meist sind das Personen, die taub geboren oder schon früh ertaubt sind. Dagegen können Personen, die erst im Alter ertaubt sind, in der Regel nicht über die Gebärdensprache kommunizieren. Sie benötigen die Untertitel. Gebärdensprachliche Darstellungen sind also kein Ersatz für die Untertitel.

Blättern: zum ersten Prüfschritt zum vorhergehenden Prüfschritt zum nächsten Prüfschritt zum letzten Prüfschritt


© 2003 - 2010 DIAS GmbH | Impressum | letzte Änderung 10.08.2006

nach oben