Das Prüfverfahren zur BITV 1.0


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Prüfschritt 11.1.1
Angemessene Formate

Diese Version des Prüfschritts ist nicht mehr gültig!

Technische Angaben

Version bis 30.03.2005 | bis 14.08.2006 | bis 30.05.2007 | bis 16.10.2009 | bis 22.9.2011
BITV-Bedingung 11.1
Bewertungsalternativen ja / eher erfüllt / eher nicht erfüllt / nein / nicht anwendbar
Gewichtung hohes Gewicht (3 Punkte)
Abwertung auf "schlecht zugänglich"
Bezieht sich auf gesamten Webauftritt
Prüfschritt erfüllt PDFs sind barrierefrei, Alternativen für Office-Dateien sind vorhanden.
Prüfschritt nicht anwendbar PDFs oder Office-Dateien sind nicht vorhanden.

Was wird geprüft?

Es sollen der Aufgabe angemessene, öffentlich zugängliche und vollständig dokumentierte Technologien verwendet werden.

Für das PDF bedeutet das: es soll nur verwendet werden, wenn das Format für die Erfüllung der angestrebten Aufgabe gebraucht wird, die gewünschte Eigenschaft also nicht per HTML zur Verfügung gestellt werden kann. Und PDFs müssen barrierefrei sein oder es muss eine HTML-Alternative zur Verfügung gestellt werden.

Für Office-Dateien reicht die direkte Zugänglichkeit dagegen nicht aus, eine HTML-Alternative muss zur Verfügung stehen. Ausgenommen sind Arbeitsmaterialien.

Warum wird das geprüft?

Im Web findet man neben HTML eine Vielzahl von weiteren Formaten für textorientierte Inhalte - besonders verbreitet sind PDFs und Dateien in proprietären Office-Formaten. Diese sind jedoch nicht für alle Benutzer zugänglich:

  • Die praktische Zugänglichkeit von PDFs ist eingeschränkt. Denn es ist erst seit wenigen Jahren prinzipiell möglich, Inhalte in PDFs barrierefrei zugänglich zu machen. Nicht alle verbreiteten Hilfsmittel unterstützen das Format, Benutzer sind mit der Handhabung des Formats noch nicht vertraut. Das PDF sollte daher nicht leichtfertig, ohne guten Grund verwendet werden.
  • Und wenn das Format für die Erfüllung der angestrebten Aufgabe gebraucht wird, muß dafür gesorgt werden, daß der Inhalt barrierefrei zugänglich ist. Denn wie bei HTML-Seiten lässt sich auch bei PDFs die Barrierefreiheit nicht auf Knopfdruck herstellen.
  • Office-Dateien können nur von Benutzern gelesen werden, die die entsprechende Software installiert haben. Zudem sind die Microsoft Office-Formate nicht vollständig dokumentiert und öffentlich zugänglich, wie es die BITV fordert.

Wie wird geprüft?

1. Anwendbarkeit des Prüfschritts

Der Prüfschritt ist anwendbar, wenn die Website PDFs oder Office-Dateien anbietet.

Nicht dazu gehören externe PDFs oder Office-Dateien, auf die verwiesen wird, die aber erkennbar nicht in den Verantwortungsbereich der Website fallen, sondern von einem anderen Anbieter veröffentlicht worden sind.

2. Prüfung PDF

2.1 Information über die Barrierefreiheit von angebotenen PDFs

Die Prüfung der Barrierefreiheit angebotener PDFs kann unter bestimmten Voraussetzungen auf Teilbereiche beschränkt werden.

Die Voraussetzungen:

  1. Nach einem festgelegten und veröffentlichten Zeitpunkt eingestellte PDFs sind im Regelfall barrierefrei. Ausnahmen sind angegeben und begründet.
  2. Der Anteil der barrierefreien PDFs ist insgesamt nicht geringfügig.
  3. Der Benutzer wird über die Barrierefreiheit der PDFs informiert, er kann also vorab, ohne Versuch und Irrtum barrierefreie von nicht barrierefreien PDFs unterscheiden.

Die letzte Voraussetzung sollte unbedingt erfüllt sein, sie ist eine wichtige Voraussetzung für die praktische Nutzbarkeit der Informationsangebote. Wenn es nicht möglich ist, barrierefreie von nicht barrierefreien PDFs zu unterscheiden, hat der Aufwand für die Aufbereitung eines Teils der Dokumente keinen Nutzeffekt.

Die beiden Möglichkeiten der Information des Benutzers:

  • An Ort und Stelle, also dort, wo ein PDF verlinkt ist, wird über die Barrierefreiheit dieses PDF informiert.
  • Auf der Startseite oder auf einer von der Startseite aus verlinkten Seite mit Bedienhilfen oder mit Informationen zur Barrierefreiheit wird einfach und klar gesagt, welche PDFs barrierefrei sind.

In der Regel sollten beide Möglichkeiten genutzt werden: die Information an Ort und Stelle, damit der Benutzer weiß, was ihn erwartet, die allgemeine, zusammenfassende Information, damit der Benutzer sich vorab orientieren kann.

2.2 PDF-Dokumente für die Prüfung auswählen

Je nach Stellenwert der PDFs werden 2 oder mehr PDFs für die Prüfung ausgewählt.

Wenn die in 2.1 genannten Voraussetzungen erfüllt sind, werden die PDFs für die Prüfung aus den als barrierefrei gekennzeichneten PDFs ausgewählt.

Wenn die in 2.1 genannten Voraussetzungen nicht voll erfüllt sind, können die PDFs ebenfalls aus den als barrierefrei gekennzeichneten PDFs ausgewählt werden. Die Gesamtbewertung der PDF-Dokumente wird dann aber um eine Stufe abgewertet, zum Beispiel von "eher erfüllt" auf "teilweise erfüllt".

Die ausgewählten PDFs sollen repräsentativ sein. Beispiele für eine schlechte, nicht repräsentative Auswahl: es werden nur einfache Dokumente oder nur komplexe Broschüren ausgewählt, es werden nur PDFs ausgewählt, die sich speziell an behinderte Besucher wenden.

Nicht ausgewählt werden sollen PDFs, die als Druckversionen für HTML-Seiten dienen.

Verfahren für die Auswahl, wenn das Webangebot nicht in akzeptabler Weise über die Barrierefreiheit angebotener PDFs informiert:

  1. 5 PDFs aus unterschiedlichen Bereichen/mit unterschiedlicher Komplexität oberflächlich prüfen (getaggt, Anzeichen für barrierefreie Aufbereitung vorhanden?)
  2. ein gutes und ein schlechtes PDF für die eingehende Prüfung auswählen

2.3 PDF-Dokument oder HTML-Alternative prüfen?

Als barrierefreies PDF gilt:

  • ein PDF, zu dem eine gleichwertige, barrierefreie HTML-Alternative zur Verfügung steht,
  • ein PDF, das mithilfe eines auf der Webseite hierfür bereitgestellten Konvertierungsprogramms in ein gleichwertiges, barrierefreies HTML-Dokument umgewandelt werden kann oder
  • ein PDF, das auf Grundlage seiner Tag-Struktur direkt zugänglich ist.

Der Prüfgegenstand:

  • Wenn für das ausgewählte PDF eine HTML-Alternative angeboten wird und diese Alternative für den Benutzer klar und einfach zu erkennen ist, dann wird die Gleichwertigkeit und Barrierefreiheit der HTML-Alternative geprüft. In diesem Fall weiter mit 2.4.

  • Andernfalls wird, wenn die Webseite für das ausgewählte PDF eine Konvertierungsfunktion anbietet, die Gleichwertigkeit und Barrierefreiheit der damit erzeugten HTML-Alternativen geprüft. In diesem Fall weiter mit 2.4.

  • Andernfalls wird die direkte Zugänglichkeit des PDFs geprüft. In diesem Fall weiter mit 2.5.

Hinweise:

  • (Hinweis: Die HTML-Alternative kann auf mehrere Seiten verteilt sein. In diesem Fall muss aber leicht zu erkennen oder ausdrücklich angegeben sein, welche Seiten dem Inhalt des PDF entsprechen.)
  • Häufig werden die wichtigsten Informationen zu einem Angebot oder Projekt in einem Flyer zusammengefasst. Es reicht dann nicht aus, dass alle Inhalte des PDFs prinzipiell auch den HTML-Seiten des Webangebots zu entnehmen sind. Auch der zusammenfassende Überblick muss zugänglich sein.
  • Das RTF-Format ist als Alternative für PDFs nicht geeignet.

2.4 Prüfung der (generierten) HTML-Alternative

Wenn eine HTML-Alternative angeboten wird, ist die Gleichwertigkeit der Alternative zu prüfen

Wenn das Ergebnis einer Konvertierungsfunktion zu prüfen ist, die Konvertierungsfunktion anstoßen.

Hinweis: Es reicht nicht aus, dass die Themen des PDF auch auf der Website behandelt werden. Denn der Nutzen des PDF kann ja zum Beispiel gerade darin liegen, dass es die wichtigsten Infos verschiedenster Bereiche auf wenigen Seiten zusammenfasst. Es muss also ein (zum Beispiel durch eine Liste von Verweisen) klar abgegrenztes Alternativangebot geben, das vom Umfang her nicht erheblich vom PDF abweicht.

Das HTML-Dokument in Hinblick auf Anforderungen prüfen, die auch auf PDFs anwendbar sind und einen besonderen Bezug zum Format PDF haben:

  • Brauchbare Reihenfolge gemäß Prüfschritten 6.1.1 und 5.3.1
  • Strukturierung gemäß Prüfschritten 3.5.1, 3.6.1, 3.7.1 und 12.3.1
  • Wenn das Konvertierungsprogramm Frames-Seiten generiert: Benutzbarkeit gemäß Prüfschritten 12.1.1 und 12.2.1
  • Auszeichnung von Datentabellen gemäß Prüfschritten 5.1.1 und 5.2.1
  • Alternativtexte gemäß Prüfschritten 1.1.1 und 1.1.2
  • Hauptsprache angegeben gemäß Prüfschritt 4.3.1

2.5 Prüfung der direkten Zugänglichkeit des PDF

  1. Getaggt:

    Das PDF in Acrobat Professional öffnen.

    Im Acrobat-Menü die Option Anzeige > Navigationsregisterkarten > Tags wählen. In der Tags-Palette prüfen, ob das Dokument getaggt ist.

    Nicht getaggt: Abbruch, Dokument ist nicht zugänglich.

  2. Schriftvergrößerung:

    Im Acrobat-Menü die Option Anzeige > Umfließen wählen, anschließend den Zoom auf 150% stellen, um die Schrift zu vergrößern.

    Prüfen, ob alle Inhalte neu umgebrochen und in einer sinnvollen Reihenfolge untereinander dargestellt werden. Die Zeilenlänge sollte sich der Breite des Fensters anpassen. Insbesondere bei mehrspaltigen Layouts, bei Tabellen und anderen besonderen Inhalten prüfen, ob die Lesereihenfolge durchgängig logisch bleibt, keine Buchstaben fehlen und keine Buchstabendreher auftreten.

    Schriftvergrößerung nicht brauchbar: Abbruch, Dokument ist "nicht zugänglich".

    Falls Teile des Dokuments nicht neu umflossen werden, in der Tags-Palette prüfen, ob die betroffenen Textstellen überhaupt in der Tagstruktur enthalten sind und korrekt als Text ausgezeichnet sind.

    Für die Nutzung des Dokuments sehr wichtige Textteile sind nicht in der Tagstruktur enthalten oder nicht als Text ausgezeichnet: Abbruch, Dokument ist "nicht zugänglich".

    Hinweise:

    • Die Palette unter Anzeige > Navigationsregisterkarten > Reihenfolge kann zusätzlich zum Umfließen-Modus für die Prüfung genutzt werden.
    • In PDFs mit Formularen funktioniert der Umfließen-Modus nicht, das soll nicht negativ bewertet werden.
    • Es soll ebenfalls nicht negativ bewertet werden, wenn nicht wesentliche "außertextliche Elemente" wie Seitenzahlen oder auf jeder Seite wiederholte Kopf- und Fußzeilen im Umfließen-Modus nicht angezeigt werden.
  3. Formale Mängel:

    Im Acrobat-Menü die Option Erweitert > Ausgabehilfe > Vollständige Prüfung wählen.

    • Falls die Prüffunktion Grafiken ohne Alternativtext findet, prüfen, ob die betroffenen Grafiken informativ sind.
      Für die Nutzung des Dokuments sehr wichtige informative Grafiken ohne Alternativtext: Abbruch, Dokument ist "nicht zugänglich".
    • Falls die Prüffunktion außertextliche Elemente findet, prüfen ob die betroffenen Elemente wichtig sind.
      Für die Nutzung des Dokuments sehr wichtige Textpassagen sind nicht als Text ausgezeichnet: Abbruch, Dokument ist "nicht zugänglich".
    • Falls die Prüffunktion fehlende Zeichenkodierungen findet, prüfen, ob wichtige Inhalte betroffen sind.
      Für die Nutzung des Dokuments sehr wichtige Inhalte sind betroffen: Abbruch, Dokument ist "nicht zugänglich".
    • Bei anderen gemeldeten Problemen prüfen, ob diese die Nutzbarkeit des Dokuments erheblich einschränken. Andere erhebliche Einschränkung der Nutzbarkeit: Abbruch, Dokument ist "nicht zugänglich".
  4. Reihenfolge der Tagstruktur:

    In der Tags-Palette prüfen, ob die Inhalte in der Tag-Struktur eine sinnvolle Reihenfolge haben.

    Reihenfolge nicht brauchbar: Abbruch, Dokument ist "nicht zugänglich".

    Hinweise:

    • Die Zuordnung zwischen Tags und Inhalten lässt sich gut erkennen, wenn im Menü der Tags-Palette Optionen > Inhalt markieren gewählt wird.
    • In Zweifelsfällen kann man sich auch die Seite mit der Acrobat-eigenen Sprachausgabe vorlesen lassen und prüfen, ob die Vorlesereihenfolge sinnvoll ist.
  5. Alternativtexte:

    In der Tags-Palette prüfen, ob wichtige Bilder sinnvolle Alternativtexte haben.

    Bilder sind für die Nutzung des Dokuments von zentraler Bedeutung, Alternativtexte sind nicht brauchbar, daher erhebliche Einschränkung der Zugänglichkeit: Abbruch, Dokument ist "nicht zugänglich".

  6. Tabellen:

    In der Tags-Palette prüfen, ob Tabellen korrekt mit Table, TR, TH und TD ausgezeichnet sind. Prüfen, ob komplexe Tabellen vorhanden sind.

    In der Tags-Palette und mithilfe des Tabellen-Editors prüfen, ob Tabellen entsprechend den Prüfschritten "5.1.1 Datentabellen richtig aufgebaut" und "5.2.1 Zuordnung von Tabellenzellen" korrekt ausgezeichnet sind.

    Tabellen sind für die Nutzung des Dokuments von zentraler Bedeutung und unbrauchbar (mangelhaft aufgebaut, komplexe Tabelle), daher erhebliche Einschränkung der Zugänglichkeit: Abbruch, Dokument ist "nicht zugänglich".

  7. Lesezeichen:

    Bei PDF-Dokumenten mit 3 oder mehr Seiten, die (visuell) mit Überschriften strukturiert sind: Prüfen, ob Lesezeichen einen Überblick über die Inhalte des PDF und das gezielte Ansteuern von Abschnitten ermöglichen.

    Das Dokument ist sehr umfangreich, Lesezeichen nicht vorhanden oder nicht brauchbar, daher erhebliche Einschränkung der Zugänglichkeit: Abbruch, Dokument ist nicht zugänglich.

  8. Strukturiert:

    In der Tags-Palette prüfen, ob Überschriften mit den Tags H1 bis H6 ausgezeichnet sind, Absätze mit P, Listen mit L, LBody und LI.

    Falls die Tags andere Namen tragen, zum Beispiel Ueberschrift_1 anstelle von H1, muss die Rollenzuordnung geprüft werden, dafür in der Tags-Palette Optionen > Rollenzuordnung bearbeiten wählen.

  9. Hauptsprache:

    Prüfen, ob die Hauptsprache des Dokuments angegeben ist.

3. Prüfung Office-Dateien

  1. Prüfen, ob es sich bei den Dokumenten um Arbeitsmaterialien handelt. Office-Dateien sollen dann als Arbeitsmaterialien eingestuft werden, wenn sie nicht zum Lesen, sondern nur zur Weiterverarbeitung in Office-Programmen angeboten werden.
    Beispiele: Excel-Vorlagen für betriebswirtschaftliche Auswertungen; Word-Vorlagen für Briefköpfe, Kalenderblätter, Textbausteine.
  2. Falls es sich nicht um Arbeitsmaterialien handelt: Prüfen, ob eine vollständige HTML-Alternative angeboten wird.

Hinweis:
Für die Einstufung als Arbeitsmaterialien kommt es nicht darauf an, ob ein Dokument theoretisch auch als Arbeitsmaterial genutzt werden könnte. Sondern es muss aus dem Kontext, in dem das Dokument angeboten wird, klar hervorgehen, dass es nicht zum Lesen, sondern als Material für die Weiterverarbeitung vorgesehen ist.

4. Bewertung

Bewertung einzelner PDF-Dokumente

Zum Abbruch der Prüfung führt:

  • Das Dokument ist nicht getaggt oder
  • Mängel der Prüfschritte 2 - 8 führen zu einer sehr erheblichen Einschränkung der Nutzbarkeit des Dokuments für bestimmte Benutzergruppen.

Mängel, die nicht zum Abbruch der Prüfung führen, werden summiert:

  • gravierender Mangel: 3 Punkte
  • weniger gravierender Mangel oder Mangel mit geringfügigen Auswirkungen: 2 Punkte
  • geringfügiger Mangel: 1 Punkt

Dazu kommt 1 Punkt, wenn die Hauptsprache nicht angegeben ist (Prüfschritt 9).

Die Gesamtbewertung des PDF-Dokuments ergibt sich aus der Summe der Punkte für einzelne Prüfschritte:

  • bis 3 Punkte: "erfüllt"
  • bis 6 Punkte: "eher erfüllt"
  • bis 9 Punkte: "teilweise erfüllt"
  • bis 12 Punkte: "eher nicht erfüllt"
  • darüber: "nicht erfüllt" (entspricht dem Ergebnis bei Abbruch)

Gesamtbewertung der PDF-Dokumente

Die Gesamtbewertung der PDF-Dokumente ergibt sich aus dem Durchschnitt der Bewertung der einzelnen geprüften PDF-Dokumente entsprechend dem Verfahren der Ermittlung der Gesamtbewertung für auf einzelne HTML-Seiten anzuwendende Prüfschritte.

Gesamtbewertung des Prüfschritts

Basis für die Bewertung des Prüfschritts ist die Gesamtbewertung der PDF-Dokumente.

Die Bewertung des Prüfschritts verschlechtert sich um mindestens zwei Stufen, wenn wichtige Inhalte nur als Office-Dateien angeboten werden ( zum Beispiel von "eher erfüllt" auf "eher nicht erfüllt".)

Die Bewertung des Prüfschritts verschlechtert sich um eine Stufe, wenn Informationen über die Zugänglichkeit der PDFs erforderlich sind und die in 2.1 genannten Voraussetzungen nicht voll erfüllt sind (zum Beispiel von "eher erfüllt" auf "teilweise erfüllt").

Abwertung des Gesamtergebnisses:

  • Die Zugänglichkeit der geprüften PDFs ist nicht ausreichend, wesentliche Inhalte werden per PDF bereitgestellt, die Nutzbarkeit des Webangebots ist also erheblich eingeschränkt.
  • Wesentliche Inhalte werden als Office-Dateien bereitgestellt, die Nutzbarkeit des Webangebots ist dadurch erheblich eingeschränkt.

Einordnung des Prüfschritts

Formulierung BITV:

Es sind öffentlich zugängliche und vollständig dokumentierte Technologien in ihrer jeweils aktuellen Version zu verwenden, soweit dies für die Erfüllung der angestrebten Aufgabe angemessen ist.

http://www.bik-online.info/info/gesetze/bitv/anlage_1.php#11-1

In fast allen Checkpunkten folgt die BITV den WCAG. Checkpunkt 11.1 ist eine Ausnahme, die BITV setzt hier die Anforderungen anders und niedriger.

Deutsche Übersetzung der WCAG:

Verwenden Sie W3C-Technologien, wenn sie verfügbar und der Aufgabe angemessen sind und benutzen Sie die neueste Version, wenn sie unterstützt wird.

Siehe die Referenzliste für Informationen über die neuesten W3C-Spezifikationen und [WAI-UA-SUPPORT] für Informationen über die Benutzeragenten-Unterstützung für W3C-Technologien.

http://www.w3c.de/Trans/WAI/webinhalt.html#tech-latest-w3c-specs

Abgrenzung

  • In der Regel nicht angemessen ist der Einsatz von Grafiken (oder Flash-Objekten) für Schriften. Dieses Thema ist Prüfschritt 3.1.1 zugeordnet.
  • Hier nicht geprüft wird die Angemessenheit des Einsatzes von Flash oder anderen programmierten Objekten. Dieses Thema ist (abgesehen vom Einsatz für Schriften) dem Prüfschritt 8.1.1 zugeordnet.
  • Technologien sollen in ihrer jeweils aktuellen Version verwendet werden. In Hinblick auf PDF und Flash ist dies ein Aspekt der Zugänglichkeit, denn ältere Versionen dieser Technologien sind schlechter zugänglich. Neueste HTML-Spezifikation verwendet: siehe Prüfschritt 11.2.1

Nicht im Prüfumfang eingeschlossen

  • Verwendung angemessener Formate für Grafiken, Videos oder Audiodateien
  • Verwendung von MathML

Änderungen

02.07.2007 - Ergänzung

Hinweis auf Abschnitt zur PDF-Prüfung des WCAG Samurai Errata Review eingefügt

Quellen

Artikel zu diesem Prüfschritt auf bik-online.info

Erläuterung in den WCAG 1.0 zu Richtlinie 11:

Wenn es nicht möglich ist, W3C-Technologien zu verwenden, oder wenn dies Material ergeben würde, das nicht geschmeidig transformiert, stellen Sie eine alternative Version des Inhalts bereit, die zugänglich ist.

Die aktuellen Richtlinien empfehlen W3C-Technologien (z. B. HTML, CSS usw.) aus mehreren Gründen:

  • W3C-Technologien enthalten "eingebaute" Zugänglichkeits-Features.
  • W3C-Technologien werden frühzeitig überprüft, um sicherzustellen, dass Fragen der Zugänglichkeit in der Design-Phase berücksichtigt werden.
  • W3C-Technologien werden in einem offenen, auf Industrie-Konsens basierenden Prozess entwickelt.

Viele Nicht-W3C-Formate (z. B. PDF, Shockwave o. Ä.) erfordern zum Betrachten entweder Plug-Ins oder eigenständige Anwendungen. Oft erlauben diese Formate kein Betrachten oder keine Navigation mit Standard-Benutzeragenten (einschließlich assistiver Technologien). Die Vermeidung proprietärer Technologien (proprietäre Elemente, Attribute, Properties und Erweiterungen) wird in der Tendenz Seiten für mehr Menschen besser zugänglich machen, unter Verwendung einer breiteren Palette von Hardware und Software. Wenn nicht zugängliche Technologien (proprietär oder nicht) verwendet werden müssen, müssen äquivalente zugängliche Seiten bereitgestellt werden.

Quelle: http://www.w3.org/Consortium/Offices/Germany/Trans/WAI/webinhalt.html

WCAG Core Techniques zu W3C-Formaten

Brief overview of current W3C technologies:

  • MathML for mathematical equations
  • HTML, XHTML, XML for structured documents
  • RDF for meta data
  • SMIL to create multimedia presentations
  • CSS and XSL to define style sheets
  • XSLT to create style transformations
  • PNG for graphics (although some are best expressed in JPG, a non-w3c spec)

Quelle: http://www.w3.org/TR/WCAG10-CORE-TECHS/#access-reviewed

Fragen zu diesem Prüfschritt

Sind Informationen über die Zugänglichkeit angebotener PDFs immer erforderlich?

Solche Informationen sind nötig, wenn die PDFs nicht alle barrierefrei sind. Denn der Besucher soll ja nicht gezwungen werden, sich als Versuchskaninchen zu betätigen, er soll vorab wissen, ob ein Dokument für ihn nutzbar ist oder nicht.

Und auch wenn alle PDFs eines Webangebots barrierefrei sind, ist ein entsprechender Hinweis für Besucher nützlich. Denn im gesamten Web sind barrierefreie PDFs ja noch nicht die Regel, sondern extreme Ausnahmen. Der Benutzer soll wissen, dass es sich lohnt, auf die PDF-Dokumente zuzugreifen.

Der BITV-Test verlangt Informationen über die Barrierefreiheit aber nur im ersten Fall, wenn die angebotenen PDFs nicht alle barrierefrei sind. Der Prüfschritt kann also auch als erfüllt gewertet werden, wenn das Webangebot nicht über die Barrierefreiheit angebotener PDFs informiert.

PDF-Dokumente werden auf Anfrage barrierefrei zur Verfügung gestellt. Reicht das aus?

Das Behindertengleichstellungsgesetz sagt dazu in § 4:

Barrierefrei sind ... Systeme der Informationsverarbeitung, ... wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.

Die Bereitstellung auf Anfrage ist nicht die "allgemein übliche Weise", also keine Alternative zur barrierefreien Aufbereitung. Sinnvoll ist sie für Altlasten, die in absehbarer Zeit nicht barrierefrei aufbereitet werden können.

Das PDF soll nicht für Aufgaben eingesetzt werden, die genauso auch mit HTML erfüllt werden könnten. Warum wird das nicht geprüft?

Es ist meist nicht möglich, anhand von objektiven Kriterien zu klären, ob das PDF wegen seinen besonderen Eigenschaften (weniger flexible Darstellung, eingeschränkte Bearbeitbarkeit, webunabhängigen Nutzbarkeit) oder zum Beispiel aus Bequemlichkeit verwendet worden ist. Man müsste also den Anbieter fragen, warum das PDF genutzt wird und prüfen, ob die Antwort schlüssig ist.

Im übrigen wird die Angemessenheit des Formats durchaus geprüft. PDF-Dokumente müssen für die Nutzung im Web aufbereitet werden, man muss sich also darum kümmern, dass sie barrierefrei nutzbar und am Bildschirm zu gebrauchen sind. Der Prüfschritt ist nicht erfüllt, wenn das Format eingesetzt worden ist, um Dokumente ohne die entsprechende Aufbereitung im Web zu veröffentlichen. Diese Nutzung ist auf jeden Fall missbräuchlich und nicht angemessen.

Siehe hierzu auch den Abschnitt zur PDF-Prüfung des WCAG Samurai Errata Review (27.06.2007)

Bei Verträgen oder Rechnungen muß man wissen, was im Dokument selbst steht, ein zugeordneter Text reicht nicht aus. Warum wird auch für solche Dokumente die HTML-Alternative akzeptiert?

Zunächst mal: alternative HTML-Versionen sind immer problematisch, denn häufig sind die Inhalte doch nicht gleich, weil zum Beispiel Korrekturen nur in einer Version durchgeführt worden sind. Es ist also die Frage, was im Einzelfall überwiegt: die bessere praktische Zugänglichkeit einer HTML-Alternative oder der Nachteil, daß die Gleichwertigkeit der alternativen HTML-Version nicht sicher ist.

Bei PDFs mit Belegcharakter, zum Beispiel Rechnungen oder Verträgen ist die HTML-Alternative besonders problematisch. Es muß sichergestellt sein, daß die verschiedenen Versionen des Dokuments identisch sind, der Benutzer kann das nicht überprüfen, wenn ihm das PDF selbst nicht zugänglich ist. Das PDF selbst muss also zugänglich gemacht werden.

Allerdings kann man einem Dokument meist nicht ansehen, ob sie als Belege vorgesehen sind und genutzt werden, ob also der genaue Wortlaut besonders wichtig ist oder nicht. Daher wird die Angemessenheit des Formats für Dokumente mit Belegcharakter im BITV-Test nicht behandelt.

Weshalb werden PDF-Dokumente nicht wie andere Seiten des Webangebots auf Grundlage der 52 Prüfschritte des BITV-Tests geprüft?

Einige Prüfschritte des BITV-Tests sind auf PDFs grundsätzlich nicht anwendbar, bei den auf PDFs anzuwendenden Prüfschritten sind Modifikationen der Prüfverfahren erforderlich.

Überwiegend sind diese Modifikationen aber eher geringfügig, auch vom Umfang her ist mit den auf PDFs anwendbaren Prüfschritten alles abgedeckt. Und aus Sicht der BITV macht es Sinn, PDFs wie andere Webseiten zu behandeln. Denn im Web bereitgestellte PDF-Dokumente sind Webinhalte, die BITV gilt für sie genauso.

Allerdings: bewährte Verfahren für die umfassende Prüfung der Barrierefreiheit von PDFs gibt es noch nicht. Diese Verfahren müssen entwickelt und erprobt werden, die Webanbieter müssen Gelegenheit haben, sich darauf einzustellen.

Das vorgestellte Verfahren für Prüfschritt 11.1.1 ist also eine Zwischenlösung: die wichtigsten auf PDF-Dokumente anzuwendenden Anforderungen werden geprüft, das Ergebnis der Prüfung fließt über den Prüfschritt 11.1.1 in das Gesamtergebnis ein: als Abwertung des Gesamtergebnisses oder als Punktabzug.

Wenn das vorgestellte Verfahren sich bewährt hat und die erforderlichen Erfahrungen mit der Prüfung von PDFs verfügbar sind, wird es möglich sein, die Prüfung direkten Zugänglichkeit ausgewählter PDF-Dokumente aus dem Prüfschritt 11.1.1 herauszunehmen. Nur die Prüfung der Information über die Barrierefreiheit angebotener PDFs verbleibt dann in Prüfschritt 11.1.1, die eigentliche Bewertung der für die Prüfung ausgewählten PDFs fließt dagegen dann wie die Bewertung anderer Seiten des Webauftritts in das Gesamtergebnis ein.

Blättern: zum ersten Prüfschritt zum vorhergehenden Prüfschritt zum nächsten Prüfschritt zum letzten Prüfschritt


© 2003 - 2010 DIAS GmbH | Impressum | letzte Änderung 10.08.2006

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