Das Prüfverfahren zur BITV 1.0


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Prüfschritt 2.3.1
Helligkeitskontraste von Texten ausreichend

Diese Version des Prüfschritts ist nicht mehr gültig!

Technische Angaben

Version bis 16.10.2009 | bis 22.9.2011
BITV-Bedingung 2.3
Bewertungsalternativen ja / eher erfüllt / eher nicht erfüllt / nein / nicht anwendbar
Gewichtung geringes Gewicht (1 Punkt)
Abwertung keine Abwertung möglich
Bezieht sich auf einzelne Webseite
Prüfschritt erfüllt Texte haben ausreichende Helligkeitskontraste.
Prüfschritt nicht anwendbar Texte sind nicht vorhanden.

Was wird geprüft?

Alle Texte der Seite sollen ausreichende Helligkeitskontraste haben. Sie sollen auch für farbfehlsichtige Benutzer wahrnehmbar sein.

Warum wird das geprüft?

Wenn Vordergrund- und Hintergrundfarbe sich in der Helligkeit ähneln, haben sie unter Umständen zu wenig Kontrast, wenn sie mit Schwarzweiß-Monitoren oder von Menschen mit verschiedenen Arten von Farbenschwäche betrachtet werden.

Wie wird geprüft?

1. Anwendbarkeit des Prüfschritts

Der Prüfschritt ist anwendbar, wenn die Seite Text enthält.

2. Prüfung

  1. Seite im Firefox anzeigen.
  2. Textvergrößerung im Firefox auf den Standardwert stellen (Ansicht > Zoom > Normal).
  3. Sichtpüfung. Sind die Schriftkontraste stark genug?
  4. Im Zweifel den Contrast Analyser öffen. Überprüfen, ob im Menü Options > Algorithm der Wert Luminosity ausgewählt ist. Im Zweifel die Hexadezimalwerte der Vorder- und Hintergrundfarbe mithilfe der Firefox-Extension ColorZilla ermitteln (Klick auf das Pipettensymbol links unten in der Statuszeile, dann Klick auf die zu prüfende Stelle, dann Rechtsklick auf das Pipettensymbol - und aus dem Kontextmenü den Hexadezimalwert in die Zwischenablage kopieren).
  5. In der Web Developer Toolbar die Funktion Informationen > Elementinformationen einblenden aktivieren.
  6. Text, der überprüft werden soll, anklicken. Das gelbe Fenster "Elementinformationen" in der oberen linken Ecke zeigt nun die jeweilige Schriftgröße in Pixeln an.
  7. Im Bereich Foreground mit der Pipette die Vordergrundfarbe auswählen, dann im Bereich Background die Hintergrundfarbe. Für Schriftgrößen unter 24 px (beziehungsweise 18,7 px bei fetter Schrift) prüfen, ob das Kontrastverhältnis bei 4,5:1 oder größer liegt. Für große Schriften prüfen, ob das Kontrastverhältnis bei 3:1 oder größer liegt. Mit dem Contrast Analyser prüfen, ob der Helligkeitsunterschied (difference in brightness) bei Fließtexten und Überschriften im Hauptinhaltsbereich über 125 und bei anderen Texten (zum Beispiel in Navigationsleisten, Nebenbereichen, im Fußbereich...) über 110 liegt.

3. Hinweise

  • Für die Bewertung soll nur der Helligkeitsunterschied, nicht aber die Farbdifferenz herangezogen werden!
  • Für die Bewertung zählt das Kontrastverhältnis (relative luminosity) nach einer in den WCAG 2.0 definierten Formel. Diese Formel ersetzt die bisher im BITV-Test verwendete Formel zur Bestimmung des Helligkeitskontrasts.
  • Die Prüfung der Kontraste für normalen Text und großen Text orientiert sich an den gemessenen Werten der Schriftgröße in Pixel (Web Developer Toolbar, Funktion Elementinformationen einblenden), denn eine Messung der tatsächlich dargestellten Punktgröße auf dem Bildschirm mit einem Typometer ist nicht praktikabel. Bei einer Bildschirmauflösung von 96 dpi entsprechen 18 Punkt etwa 24 Pixeln, 14 Punkt entsprechen etwa 18,7 Pixeln.

    Die Messung des Pixel-Äquivalents ist dadurch gerechfertigt, dass die bisher getesteten User Agents die Auszeichnung in Pixel und Punkt analog behandeln (im Verhältnis 4:3), also unabhängig von der Bildschirmauflösung, unter der der Text angezeigt wird. Richtiger wäre es, wenn User Agents die Bildschirmauflösung auswerten würden, um die Ausgabegröße zu berechnen (also mehr Pixel pro Punkt bei höher auflösenden Bildschirmen). Für die Prüfung maßgeblich ist der Referenzwert von 96 dpi Bildschirmauflösung, für den die Entsprechung auf jeden Fall gilt.

  • Elemente, die unterschiedliche Zustände haben können, sollten immer ausreichend kontrastieren. Also zum Beispiel: auch die farblich hervorgehobene, aktuell ausgewählte Menüoption; auch in einer anderen Farbe dargestellte, besuchte Links. Für die Bewertung entscheidend ist der jeweils schlechtere Helligkeitskontrast.
  • Die einzige Ausnahme, weil hier der gezielte Wechsel zwischen den beiden Zuständen verhältnismäßig einfach ist: die Hervorhebung des Maus- oder Tastaturfokus. Hier soll zunächst geprüft werden, in welchem Zustand (im Fokus/nicht im Fokus) der Helligkeitskontrast besser ist. Dieser in Hinblick auf den Helligkeitskontrast bessere Zustand muss den allgemeinen Grenzwert von 4,5:1 erfüllen. Das Kontrastverhältnis Der Helligkeitskontrast des zweiten Zustandes muss über 95 3:1 liegen.
  • Schwache Kontraste können zweckmäßig sein, sie können den Umgang mit einer Webseite erleichtern. Ein Beispiel dafür: Funktionen, die prinzipiell vorgesehen, aktuell aber nicht verfügbar sind, werden schwach kontrastierend dargestellt. Das ist akzeptabel, wenn das ausgeblendete Element für die Orientierung und Bedienung nicht erforderlich ist. Der Prüfschritt ist daher auf die Beschriftungen ausgeblendeter, deaktivierter Bedienelemente in der Regel nicht anwendbar.
  • Bei Bereichen, die mit Farbwechseln auf den Mauszeiger reagieren, kann die Option "Resample Last Location" genutzt werden, um auch den Farbwert im "Ruhezustand" zu ermitteln (Rechtsklick auf das Pipettensymbol, um das Kontextmenü aufzurufen, dort steht die Option "Resample Last Location" zur Verfügung). kann ein Screenshot helfen, den Farbwert im "Ruhezustand" zu ermitteln. Alternativ kann man den Fokuszustand über Tastaturbedienung erzeugen und dann den Kontrast mit der Pipette des Contrast Analyser messen.
  • Wenn Kontraste dünner Schriften zu prüfen sind, gegebenenfalls Schrift vergrößern und die Schriftenglättung ausschalten
  • Sollen die Farbwerte sehr kleiner Bereiche (feine Schriften oder kleine Icons) ermittelt werden, ist es unter Umständen einfacher, ein Screenshot zu machen und die leistungsfähigeren Zoom- und Pipettenwerkzeuge eines Bildbearbeitungsprogramms zu nutzen.
  • Für die Prüfung kommt als Werkzeug ebenfalls in Frage: Farbkontrast-Analyzer 1.0

4. Bewertung

Die Bewertung der Helligkeitskontraste unterscheidet zwischen Haupttexten und sonstigen Texten: Als Haupttexte gelten alle "normalen" Passagen (meistens Fließtexte), einschließlich Überschriften. Alle anderen Texte - also Menüleisten oder andere Bedienelemente, aber auch Hervorhebungen einzelner Wörter innerhalb von Fließtexten - gelten als sonstige Texte.

Damit Prüfergebnisse zu Helligkeitskontrasten nachvollziehbar sind, werden genaue Angaben zu den gemessenen Elementen gebraucht. Es soll klar sein, für welches Element der Helligkeitskontrast als nicht ausreichend bewertet worden ist. Angegeben werden sollen

  • die Position des Elements auf dem Bildschirm,
  • die Aufgabe des Elements (zum Beispiel Menüleiste),
  • gegebenenfalls der Zustand, in dem das Element gemessen worden ist und
  • die beiden ermittelten Farbwerte.

Erfüllt:

  • Das Kontrastverhältnis (contrast ratio) zwischen Vorder- und Hintergrundfarbe liegt für Texte unter 18 Punkt (beziehungsweise für fette Texte unter 14 Punkt) bei mindestens 4,5:1
  • Das Kontrastverhältnis (contrast ratio) zwischen Vorder- und Hintergrundfarbe liegt bei Texten in großer Schriftgröße (18 Punkt und größer, 14 Punkt und größer bei fetter Schrift) bei mindestens 3:1. Der Wert für den Helligkeitsunterschied zwischen Vorder- und Hintergrundfarbe liegt für Haupttexte im Hauptinhaltsbereich über 125, für die sonstigen Texte über 110. Das Kontrastverhältnis Der Helligkeitskontrast des schlechteren Zustands des Maus- und oder Tastaturfokus liegt über 3:1 95.

Einordnung des Prüfschritts

Formulierung BITV:

Texte sind so zu gestalten, dass die Kombinationen aus Vordergrund- und Hintergrundfarbe auf einem Schwarz-Weiß-Bildschirm und bei der Betrachtung durch Menschen mit Farbfehlsichtigkeiten ausreichend kontrastieren.

http://www.bik-online.info/info/gesetze/bitv/anlage_1.php#2-3

Die BITV entspricht hier nicht den WCAG: In der BITV sind die Kontraste von Text als eigenständige Bedingung gefasst, die WCAG fassen dagegen Kontraste für Grafiken und Text in Checkpunkt 2.2 zusammen. Deutsche Übersetzung dieses Checkpunkts der WCAG: siehe Prüfschritt 2.2.1

Einordnung des Prüfschritts nach WCAG 2.0

WCAG 2.0

Guideline

Success criteria

  • 1.4.3 Contrast (Minimum): The visual presentation of text and images of text has a contrast ratio of at least 4.5:1 (Level A)
  • 2.4.7 Focus Visible: Any keyboard operable user interface has a mode of operation where the keyboard focus indicator is visible (Level AA)

Techniques

General Techniques
CSS Techniques

Failures

Quellen

siehe Prüfschritt 2.2.1

Fragen zu diesem Prüfschritt

Lässt sich die Anforderung an Textkontraste auch mit einem Styleswitcher erfüllen?

Nach den WCAG 2.0 kann die Anforderung ausreichender Helligkeitskontraste (WCAG success criterion 1.4.3) auch über einen Styleswitcher zur Einstellung einer kontrastreicheren Ansicht erfüllt werden (siehe Technik G174). Diese Möglichkeit wird der BITV-Test in der bevorstehenden Überarbeitung parallel zum Inkrafttreten der novellierten BITV (voraussichtlich im Frühjar 2010) einbeziehen.

Voraussichtlich wird der BITV-Test dann bei der Nutzung von Styleswitchern fordern, dass folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Die Standardseite ohne Styleswitcher hat einen Textkontrast von mindestens 3,5:1
  • Der Styleswitcher selbst erfüllt mindestens das Kontrastverhältnis von 4,5:1
  • Der Styleswitcher erfüllt auch die sonstigen Anforderungen des BITV-Tests an Barrierefreiheit: er ist zum Beispiel tastaturbedienbar und ohne Skripte nutzbar
  • Die nach der Einstellung durch den Styleswitcher angezeigte Ansicht muss dieselben Informationen und dieselbe Funktionalität aufweisen wie jene, die sie ersetzt
  • Der Styleswitcher (oder der direkte Link zu einer Styleswitcher-Seite) muss deutlich sichtbar am Seitenbeginn platziert sein

Das Ergebnis der WAI-Formel entspricht oft nicht dem subjektiven Eindruck. Wie zuverlässig ist es?

Zwei Punkte sind hier zu beachten:

1. Der Helligkeitskontrast ist nur einer von drei Einflussgrößen für den Gesamtkontrast. Insofern ist klar, dass das Ergebnis für den Helligkeitskontrast nicht dem subjektiven Eindruck entspricht. Es soll gar nicht dem subjektiven Gesamteindruck entsprechen, denn schließlich geht es darum, ob die Helligkeitsunterschiede der Farben für sich genommen ausreichend kontrastieren. Wenn man normalsichtig ist, entspricht der subjektive Eindruck der Graustufenansicht dagegen schon eher dem Formelergebnis.

2. Farben benachbarter Flächen beeinflussen die Wahrnehmung, kleine und dünne Schriften erscheinen kontrastärmer, es gibt Überstrahleffekte, möglicherweise werden die Kontraste durch Schriftenglättung abgeschwächt. Die Formel berücksichtigt all diese Faktoren nicht. Zumindest wenn es um Texte geht, ist dies auch angemessen. Denn die genannten Einflüsse stehen nicht fest, sie hängen zum Beispiel von der gewählten Schriftgröße ab.

Für die Prüfung bedeutet das: Wer mit der formelbasierten Bewertung von Helligkeitskontrasten noch keine Erfahrungen hat, kann sich nicht auf seinen subjektiven Eindruck verlassen. Er muss die Formel fast auf alle Farbkombinationen anwenden.

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